Aktuelle Informationen zum Glasfaserausbau in Biebertal-Krumbach
Im Oktober 2023 hatte das Göttinger Telekommunikationsunternehmen goetel im Rahmen des so genannten eigenwirtschaftlichen Ausbaus mit dem Glasfaserausbau in Biebertal-Krumbach begonnen. In der Zwischenzeit gerieten die Bauarbeiten allerdings mehrfach ins Stocken. Ein Grund dafür war beispielsweise die Insolvenz eines von goetel beauftragten Bauunternehmens. Nun steht fest: goetel wird nur rund 100 Kundenanschlüsse in Krumbach aktivieren und sich danach aus dem Ortsteil zurückziehen. „Es ist außerordentlich schade, um nicht zu sagen, ärgerlich, dass die Firma goetel ihrer ursprünglichen Zusage, Krumbach vollumfänglich auszubauen, nicht nachkommt. Die Bürgerinnen und Bürger in Krumbach, aber auch wir als Verwaltun haben darauf vertraut“, äußert sich Bürgermeisterin Patricia Ortmann über den aktuellen Zustand.
In diesem Zusammenhang möchte die Gemeindeverwaltung Biebertal die Bürgerinnen und Bürger zum aktuellen Stand des Glasfaserausbaus in Krumbach informieren und für Klarheit zu einem weit verbreiteten Missverständnis sorgen.
Was ist eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau?
Eigenwirtschaftlicher Glasfaserausbau bezeichnet die Initiative von privaten Telekommunikationsunternehmen, Glasfaserleitungen ohne staatliche Fördergelder zu verlegen. Das bedeutet, dass die Unternehmen selbst die Investitionen in den Ausbau tätigen, mit dem Ziel, profitable Internetanschlüsse zu schaffen und auf lange Sicht von den damit verbundenen Einnahmen zu profitieren.
Die Gemeinde Biebertal ist nicht der Auftraggeber
Zum eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau gibt es in weiten Teilen der Bevölkerung immer noch ein grundlegendes Missverständnis. „Viele Bürger glauben, dass die Städte und Gemeinden die Unternehmen für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau beauftragen. Stattdessen ist es so, dass die Unternehmen das Glasfasernetz auf eigene Initiative und auf eigene Kosten ausbauen“, erklärt Stefan Becker (Geschäftsführer der Breitband Gießen GmbH) und verweist auf die Rechtsgrundlage für den eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbau, das Telekommunikationsgesetz. Das heißt, die Unternehmen können, sofern sie dies korrekt bei der Kommune beantragen, den Glasfaserausbau durchführen. Den Umfang des Ausbaus bestimmen die Unternehmen selbst. Die Kommune kann den eigenwirtschaftlichen Ausbau weder beauftragen noch verhindern. Aufgabe der Gemeinde ist es, den Ausbau zu begleiten und zu kontrollieren sowie Nachbesserungen einzufordern. „Das Dilemma liegt unter anderem darin, dass Kommunen im Zuge des eigenwirtschaftlichen Glasfaserausbaus keinerlei Handhabe haben, um gegen die Vorgehensweise der Telekommunikationsunternehmen vorzugehen“, erklärt Ortmann.
Kein weiterer Ausbau durch goetel
goetel hat der Gemeinde mitgeteilt, dass das Unternehmen aufgrund der technischen und wirtschaftlichen Gesamtbewertung des Glasfaserausbaus in Biebertal-Krumbach nicht weiter aktiv sein wird. Nach dem gegenwärtigen Stand können auf Grundlage der bereits vorhandenen Netzinfrastruktur voraussichtlich lediglich rund 120 Kundenanschlüsse fertiggestellt und in den nächsten Wochen aktiviert werden. Die Kunden werden vorher durch goetel bzw. das für goetel tätige Bauunternehmen kontaktiert.
Über die genannten Anschlüsse hinaus wird goetel keine weiteren Ausbau- und Nachverdichtungsmaßnahmen in Krumbach durchführen. goetel hat der Gemeinde zugesichert, dass die Kunden, die keinen Anschluss erhalten, in den nächsten Wochen schriftlich informiert werden.
Prüfung weiterer Optionen
Für die Gemeinde Biebertal bedeutet dies nun, nach einer alternativen Lösung für die noch nicht erschlossenen Haushalte zu suchen. „Im Klartext bedeutet das: die Gemeinde Biebertal muss schauen, welches Telekommunikationsunternehmen die übrigen Haushalte in Krumbach ausbaut und mit schnellem Internet versorgt“, so Ortmann. Die Gemeindeverwaltung Biebertal steht, wie alle anderen 17 Kommunen im Landkreis Gießen auch, im engen Kontakt mit der Breitband Gießen GmbH und den Breitbandkoordinatoren des Landkreises Gießen, um gemeinsam weitere Optionen für den Glasfaserausbau zu prüfen. In Vorbereitung ist der von Bund, Land und Gemeinde geförderte Glasfaserausbau. Ziel ist es, allen Adressen, die derzeit keinen Glasfaseranschluss erhalten, bis zum Jahr 2030 einen geförderten Anschluss anzubieten.

